25.03.2019

Über 100 Schülerinnen beim Grundschulwettbewerb Völkerball

Emotionen pur waren am vergangenen Freitag (22.03.) bei der Jubiläumsauflage „20 Jahre Grundschulwettbewerb Völkerball“ angesagt. Über 100 Schülerinnen aus elf saarländischen Grundschulen brachten an diesem Tag jede Menge Leben in die Hellberghalle in Eppelborn und konnten es kaum erwarten, dass der Anpfiff für die erste Spielrunde ertönte.


Für den war Ulrike Becker verantwortlich. Am Rande der Halle hatte sie an einem Tisch die Kommandozentrale für den Wettbewerb eingerichtet und verfolgte aufmerksam den Ablauf der Spiele. Um die Stimmung in der Halle zusätzlich anzuheizen hatte sie sich eine besondere Moderations-Choreografie einfallen lassen. Sie pfiff die Spiele an und läutete die letzte Spielminute ein. In dieser Minute gaben nicht nur die Spielerinnen auf dem Feld noch einmal alles. Auch alle spielfreien Klassenkameradinnen legten noch einen Zahn zu und feuerten leidenschaftlich ihre Teams an. Selbst der fußballerfahrene SR-Moderator staunte nicht schlecht. Als Ulrike Becker lautstark unterstützt von den Kindern die letzten zehn Spielsekunden abzählte, war die Geräuschkulisse kaum zu überbieten. Beim Schlusspfiff hielt es kaum mehr ein Kind auf den Rängen. Die, die gewonnen hatten, sprangen freudig herum, fielen sich in die Arme und jubelten. Schnell sammelten sich die Spielerinnen wieder, gruppierten sich um ihre Lehrer für letzte Tipps für das nächste Spiel.

Vier Mannschaften aus dem dritten Schuljahr sowie zwölf Teams der vierten Klassenstufe traten in diesem Jahr beim Grundschulwettbewerb Völkerball an. Am Start waren Grundschulen aus Homburg, Eppelborn, Elm, Göttelborn, Wiesbach-Dirmingen, Bous, Diefflen, Namborn, Oberlinxweiler, Pachten und Hasborn. Der Wettbewerb ist eine Initiative des Fachbereichs Völkerball im Saarländischen Turnerbund zur Förderung des Völkerballspiels. Gezielt den Gegner abwerfen, den Ball fangen, dem gegnerischen Wurf ausweichen - bei vielen weckt der Wettbewerb Erinnerungen an die eigene Kindheit, denn kaum einer, der nicht während seiner Grundschulzeit auf dem Pausenhof oder in der Turnhalle Völkerball gespielt hat. Seit dem Auftakt des Wettbewerbs im Jahre 1999 haben etwa 4.000 Schülerinnen teilgenommen.

Dass das Organisationsteam der Fachschaft mit seinem Engagement den richtigen Weg eingeschlagen hat, beweisen jedes Jahr aufs Neue das starke Teilnehmerfeld und die große Begeisterung der jungen Völkerballspielerinnen. Bei den Grundschulen ist nicht nur der Wettbewerb ein Pflichttermin. Das Völkerballspiel ist ein fester Bestandteil im Schulsport. „Bei vielen Kindern ist die Koordination von Werfen und Fangen nicht so gut entwickelt. Diese Grundtechnik, die auch für andere Sportarten wichtig ist, können wir im Völkerballspiel mit den Schülern hervorragend üben“, so Christian Braun, Lehrer an der Römerschule in Dillingen-Pachten. Seine Schule wurde Ende letzten Jahres als erste Grundschule im Landkreis Saarlouis mit dem Gütesiegel "SportBewegte SchuleSaar" ausgezeichnet. Christian Braun: „An unserer Schule haben die Schüler die Möglichkeit, in der Pause Völkerball spielen, in der Turnhalle oder draußen auf einem Völkerballfeld.“ Er ist mit einer dritten und vierten Grundschulklasse zum Wettbewerb angereist. Seine Viertklässlerinnen können den Spielbeginn kaum erwarten. „Wir sind zum zweiten Mal dabei. Dieses Jahr wollen wir gewinnen. Wir haben schon gehört, dass die anderen Angst vor uns haben“, verrät die zehnjährige Tabea Schröder selbstbewusst.

Christian Braun, nicht nur Sportlehrer an der Dillinger Grundschule, sondern auch Übungsleiter im TV Beckingen, weiß, dass auch Turnvereine von dem Grundschulwettbewerb profitieren können: „Seit einer Saison spielen wir in unserem Verein mit zehn bis 20 Kindern Völkerball. In unserer Mannschaft haben wir viele Kinder, die durch den Schulsport und den Grundschulwettbewerb motiviert wurden, im Verein zu spielen.“ So auch Siran Mohamad. Seit drei Jahren besucht die aus Syrien stammende Schülerin die Römerschule und spielt mittlerweile auch im Turnverein Völkerball. „Ich spiele seit einem Jahr Völkerball und das macht mir sehr viel Spaß“, verrät Siran. Mit großer Einsatzfreude und viel Engagement bewegt sie sich flink auf dem Spielfeld, weicht geschickt gegnerischen Würfen aus und fängt den einen oder anderen Ball ab, um dann mit diesem gezielt Spielerinnen des Gegners abzuwerfen. Viele Schulkassen präsentierten sich in der Hellberghalle selbstbewusst mit selbstgebastelten Plakaten und lassen unüberhörbar ihre Schlachtrufe durch die Hellberghalle schallen. Mittendrin eine Gruppe von aufgeregten Jungs, die ein Plakat hochhalten und beim Anfeuern ihrer Mitschülerinnen auf den Rängen alles geben. An diesem Tag sind die Jungs auf die Ränge verbannt, da Völkerball im Vereinssport und im Wettbewerb ursprünglich reine Mädchensache ist. „Unsere Jungs waren schon etwas traurig, dass sie heute nicht mitspielen dürfen, denn im Sportunterricht spielen sie immer gemeinsam mit den Mädchen Völkerball. Aber das Anfeuern heute ist für sie Ehrensache“, verrät Kerstin Brehm, Lehrerin an einer Eppelborner Grundschule.

Während Fachwartin Marlies Seel aufmerksam die regelkonforme Abwicklung der Spiele überwacht, leitet Ulrike Becker die Schulmannschaften mit viel Geduld von ihrem Kommandopult aus durch den Wettbewerb. Neben ihr sitzt Marga Kochems, fast schon ein Urgestein im saarländischen Völkerball. „1965 habe ich in Humes und Dirmingen mit dem Völkerballspiel angefangen. Da wir damals noch keine Halle hatten, haben wir in der Gaststätte meiner Eltern in einem Saal gespielt. Als wir vor 20 Jahren mit dem Grundschulwettbewerb anfingen, waren noch über 50 Mannschaften dabei. Wir mussten in drei verschiedenen Hallen spielen“, erinnert sich Marga Kochems. Ihr Heimatverein ist heute der TV Heusweiler. Hier hat die heute 77-jährige 2002 die Völkerball-Abteilung ins Leben gerufen. „Marga ist es gelungen, die Kinder zu motivieren und sie für Völkerball zu begeistern“, so Dilan Gök. Damals fing die junge Frau als Achtjährige bei Marga Kochems an und unterrichtet heute als Übungsleiterin im TV Heusweiler selbst Kinder im Völkerballspiel. Im Team von Landesfachwartin Marlies Seel ist der Grundschulwettbewerb Völkerball auch für Dilan Gök ein schöner Pflichttermin.

Nach knapp vier Stunden ist es geschafft. Voller Spannung sitzen alle jungen Völkerballspielerinnen in Reihen in der Halle und warten auf die Verkündigung der Ergebnisse. Christian Brauns Schülerinnen der Römerschule Dillingen-Pachten haben ihr Ziel erreicht. Ihr Jubel kennt keine Grenzen, als sie als Sieger des Wettbewerbs der vierten Klassenstufe ausgerufen werden. Über die Plätze zwei und drei freuen sich hier die Grundschulen aus Bous und Hasborn. Den Wettbewerb der Klassenstufe Drei entscheiden die Schülerinnen aus Homburg für sich, vor den Mannschaften aus Elm und Bous.

Viel Lob erntete Marlies Seel und ihr Team ein paar Tage nach dem Wettbewerb aus dem Ministerium für Bildung und Kultur. „Die Stimmung in der Halle und die  Freude der Mädchen an diesem Wettbewerb haben mich sehr beeindruckt. Danke für Euer Engagement und Eure Motivation, diesen Wettbewerb jährlich auszutragen. Wir und viele Schulen freuen sich bereits auf 21 Jahre Grundschulwettbewerb Völkerball im nächsten Jahr“, so Sabine Gabrysch vom Team Schulsport.

Während sich die siegreichen Grundschülerinnen noch über ihren Erfolg freuen, bereiten sich 20 Völkerball-Teams der Freiwilligen Ganztagsschulen im Landkreis Saarlouis auf ihren Völkerball-Wettbewerb vor. Dieser wird am Donnerstag, 04. April 2019, in Saarwellingen ausgetragen.

TV-Tipp: 

Im SR-Fernsehen wird heute (25.03.) im aktuellen Bericht (19:20-20:00Uhr) ein Beitrag über den Grundschulwettbewerb Völkerball gesendet. 

 


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